Mietwagen in der

Mit dem Mietwagen durch die Türkei: Zwei Wochen zwischen İzmir und Antalya

Es gibt Türkeiurlaube, bei denen am Flughafen bereits jemand wartet. Ein Onkel, ein Cousin, ein Bekannter des Cousins – auf jeden Fall ein Mensch, der den Weg kennt und schon entschieden hat, wo unterwegs gegessen wird. Diese Reise beginnt anders. Am İzmir Adnan Menderes Havalimanı wartet nur ein reservierter Mietwagen. Zwei Wochen später soll er in Antalya zurückgegeben werden.

Für viele Menschen aus deutsch-türkischen Familien ist das eine kleine Veränderung. Die Türkei kennt man oft zuerst als memleket: über die Wohnung der Großeltern, lange Sommerabende mit Verwandten und Besuche, deren Ablauf andere längst organisiert haben. Eine Rundreise ist etwas anderes. Niemand fragt, wann man endlich vorbeikommt. Dafür muss man selbst entscheiden, ob Pamukkale wirklich auf dem Weg liegt und wie viele antike Theater ein Urlaub verträgt.

Zwischen İzmir und Antalya liegen rund 700 Kilometer, wenn man halbwegs direkt fährt. Zwei Wochen machen daraus keine Expedition. Sie geben der Strecke aber genug Zeit, nicht bloß aus Tankstellen, Hotelparkplätzen und Sehenswürdigkeiten zu bestehen.

İzmir beginnt mit einer Fähre

Rundreise mit Mietwagen: Auf der Fähre

İzmir eignet sich gut für die ersten zwei Tage, gerade weil die Stadt keinen Grund sieht, sich für Besucher hübsch in einer Reihe aufzustellen. Kemeraltı ist Markt, Einkaufsstraße, Werkstatt und Labyrinth zugleich. Am Kordon sitzen am Abend Menschen mit Sonnenblumenkernen und Tee, während hinter ihnen der Verkehr nicht halb so entspannt ist wie das berühmte İzmirer Lebensgefühl.

Wer aus Deutschland kommt und die Türkei bisher vor allem aus kleineren Herkunftsorten der Familie kennt, erlebt İzmir häufig als Gegenbild. Die Stadt gilt als rahat, weltlich und ein wenig überzeugt von ihrer eigenen Lockerheit. Dieses Selbstbild ist nicht völlig erfunden. Es ist nur einfacher, entspannt zu sein, wenn man gerade am Meer sitzt und nicht morgens aus Buca zur Arbeit fährt.

Eine Fahrt mit der Fähre von Konak nach Karşıyaka erklärt die Stadt besser als eine Stadtrundfahrt. Schüler schauen aufs Handy, Angestellte trinken Tee, Möwen begleiten das Schiff in der Hoffnung auf Simit. Wobei man in İzmir natürlich Gevrek sagt. Manche regionalen Unterschiede beginnen nicht mit Politik, sondern beim Sesamring.

Der Wagen kann in diesen ersten Tagen stehen bleiben oder erst vor der Weiterfahrt übernommen werden. In der Innenstadt ist er kein Freiheitsversprechen, sondern ein Parkplatzproblem.

Efes liegt in Selçuk

Die erste Etappe führt nach Selçuk. Dort liegt Efes, im Deutschen meist Ephesos genannt. Der türkische Ortsname gehört im Text an die erste Stelle, nicht weil Geschichte damit einfacher würde, sondern weil man sich gerade in der Türkei befindet und jedes Straßenschild nach Efes weist.

Die antike Stadt braucht keinen Werbetext. Das Theater, die Celsus-Bibliothek und die Straße, die einmal zum Hafen führte, haben genügend eigene Wirkung. Im Sommer hilft nur, früh da zu sein. Später stehen Gruppen vor der Bibliothek Schlange für ein Foto, auf dem es aussehen soll, als wären sie zufällig allein dort vorbeigekommen.

Selçuk verschwindet häufig hinter seinem berühmten Nachbarn. Dabei liegen mit der İsa Bey Camii, der Johannesbasilika und dem Efes Müzesi mehrere Jahrhunderte so dicht beieinander, dass aus Religions- und Herrschaftsgeschichte ein Spaziergang wird. Am Abend kehrt der Ort zu seinem normalen Rhythmus zurück. Teegärten und Lokantas sind dann eine angenehme Erinnerung daran, dass Selçuk keine Empfangshalle der Antike ist.

Şirince liegt den Berg hinauf. Das Dorf war einmal für Obst, Wein und seine rum-orthodoxe Geschichte bekannt; heute ist es ebenso für Wochenendbesucher, Frühstückslokale und kleine Flaschen mit Fruchtwein bekannt. Schön ist es trotzdem. Man darf nur aufhören, jeden gut besuchten Ort zum „Geheimtipp“ erklären zu wollen. Şirince hat dieses Geheimnis längst selbst verkauft.

Eine Ägäis ohne Strandfoto

Auf dem Weg nach Pamukkale kann man die große Straße nehmen. Oder über Tire und Birgi fahren und sehen, dass die Ägäis nicht an den Strandpromenaden endet. Im Hinterland bestimmen Felder, Märkte, Olivenhaine und Viehzucht den Alltag. Die Städte wirken weniger darauf vorbereitet, dass jemand ausschließlich zum Schauen kommt.

Birgi besitzt alte Häuser, schattige Straßen und eine Ulu Cami aus der Zeit der Aydınoğulları. Der Ort muss keinen ganzen Urlaubstag füllen. Ein Rundgang, ein Tee, vielleicht etwas zu essen – dann geht es weiter. Nicht jede Station braucht eine dramatische Begründung, um in Erinnerung zu bleiben.

Pamukkale ist das Gegenteil. Schon vor der Ankunft kennt man das Bild der weißen Terrassen. Vor Ort liegt oberhalb davon Hierapolis mit Theater, Nekropole und den Resten einer antiken Kurstadt. Wer nur die Füße ins Thermalwasser stellt und wieder fährt, hat den bekanntesten Blick bekommen, aber den Ort kaum verstanden.

Eine Nacht in der Umgebung ist sinnvoll. Nicht aus romantischen Gründen, sondern weil ein Tag auf hellem Kalkstein und in der Sonne anstrengender ist, als er auf Instagram aussieht.

In Fethiye wird aus der Strecke eine Küstenreise

Hinter Denizli zieht sich die Straße durch Berge und Wälder. Das Meer kommt erst bei Fethiye zurück. Nach İzmir, Efes und Pamukkale fühlt sich die Ankunft an der Küste fast wie der Beginn eines zweiten Urlaubs an.

Fethiye kann drei Nächte tragen. Der Hafen gehört zur Stadt, nicht nur den Ausflugsbooten. Auf dem Markt kaufen Einheimische neben Urlaubern ein, und am Abend lässt sich essen, ohne dass jedes Gericht eine Aussicht mitverkaufen muss. Wer einen Strandtag braucht, nimmt ihn sich. Wer weiterfahren möchte, hat Kayaköy, Saklıkent oder Tlos in Reichweite.

Kayaköy verlangt Aufmerksamkeit. Die leeren Häuser am Hang gehörten überwiegend rum-orthodoxen Familien, die ihre Heimat im Zuge des Bevölkerungsaustauschs zwischen Griechenland und der Türkei verlassen mussten. Muslimische Familien kamen gleichzeitig aus Griechenland nach Anatolien. Auf beiden Seiten wurden aus Nachbarn plötzlich Menschen, die nicht mehr bleiben durften.

Heute wird Kayaköy gern als Geisterdorf bezeichnet. Das klingt angenehm geheimnisvoll und erspart die Frage, warum die Häuser leer stehen. Gespenster haben die Bewohner nicht vertrieben. Es waren politische Entscheidungen, Nationalismus und ein Krieg, dessen Folgen in der Region bis heute aus Stein bestehen.

Kaş liegt gegenüber von Meis – und weit weg vom Alltag

Zwischen Fethiye und Kaş wird die Fahrt langsam, obwohl die Entfernung nicht groß ist. Patara liegt auf dem Weg, ebenso Xanthos und Letoon. Wer alle drei antiken Orte besucht, darf anschließend ohne schlechtes Gewissen an jedem weiteren braunen Hinweisschild vorbeifahren. Kulturelle Bildung hat eine tägliche Aufnahmegrenze.

Kalkan zeigt, was mit einem kleinen Küstenort geschieht, wenn Villen, Pools und ein internationales Publikum die Hänge erobern. Der Hafen ist noch derselbe, die Preise eher nicht. Kaş wirkt etwas weniger abgeschlossen. Dort sitzen am Abend Taucher, Bootsbesatzungen, Familien und Reisende in denselben Straßen, auch wenn längst niemand mehr behaupten kann, der Ort sei unentdeckt.

Gegenüber liegt Meis, die griechische Insel, international als Kastellorizo bekannt. So nah, dass die Häuser mit bloßem Auge zu erkennen sind. Die Grenze verläuft trotzdem mitten durch das Wasser. In dieser Region liegen Griechenland und die Türkei geografisch oft näher beieinander, als politische Reden vermuten lassen.

Drei Nächte in Kaş sind keine Verschwendung. Ein Tag gehört dem Meer, einer der Umgebung und einer vielleicht nur einem langen Frühstück. Wer täglich weiterfährt, sammelt Unterkünfte. Wer bleibt, bekommt wenigstens eine Ahnung vom Ort.

Am Mietwagenschalter endet die Romantik kurz

Die praktische Seite passt in einen Absatz: Vor der Abfahrt sollten Kratzer, Dellen, Felgen, Scheiben, Kilometerstand und Tankfüllung fotografiert und im Übergabeprotokoll vermerkt werden. Beim Versicherungsschutz zählen nicht die großen Worte auf der Buchungsseite, sondern Haftpflichtdeckung, Vollkasko beziehungsweise CDW, Selbstbeteiligung und mögliche Ausschlüsse für Glas, Reifen, Dach oder Unterboden. Ein blankes oder unklar formuliertes Senet – ein Schuldschein – ist keine harmlose Formalität und sollte nicht unterschrieben werden; eine bezifferte Kreditkartenkaution ist nachvollziehbarer. Wenn nach einem Unfall oder bei der Rückgabe über Geld gestritten wird, beginnt die wenig urlaubstaugliche Frage nach Vertrag, Belegen und Zuständigkeit. Wer das genauer nachlesen möchte, findet bei WerZahlt.com eine Einordnung dazu, wer bei einem beschädigten Mietwagen im Urlaub zahlt. Fotos, Übergabe- und Rückgabeprotokoll sowie gegebenenfalls der Polizeibericht sollten bis zur endgültigen Abrechnung aufbewahrt werden.

Zwischen Demre und Antalya wächst Gemüse für Deutschland

Hinter Kaş führt die Straße über Demre und Finike weiter nach Çıralı. Myra und die Nikolauskirche bringen Reisegruppen nach Demre. Die Gewächshäuser rundherum erzählen vom anderen Wirtschaftszweig der Küste. Tomaten, Paprika und Auberginen wachsen dort, während in Deutschland Winter ist.

Für deutsch-türkische Reisende besitzt dieser Anblick manchmal eine eigene Komik. Im deutschen Supermarkt steht auf dem kleinen Schild „Herkunft: Türkei“. Hier sieht man plötzlich die endlosen weißen Dächer, die hinter diesem einen Wort liegen. Die Urlaubsregion produziert nicht nur Erinnerungsfotos, sondern auch einen Teil des europäischen Gemüseangebots.

Çıralı ist ein guter Ort für die letzten ruhigen Tage. Am südlichen Ende des Strandes liegen die Ruinen von Olympos, oberhalb brennen die Flammen von Yanartaş. Der Weg hinauf ist steinig. Wer in Sandalen startet, lernt unterwegs, dass Mythologie und festes Schuhwerk gut zusammenpassen.

Antalya und die unvermeidliche Frage: Wann kommt ihr wieder?

Antalya beendet die Route, aber nicht mit dem Flughafen. Kaleiçi, Üçkapılar und der alte Hafen verdienen einen Abend, ebenso die moderne Stadt dahinter. Antalya ist schließlich nicht bloß Kulisse für Menschen, die Urlaub haben. Andere stehen im Stau, arbeiten in Hotels, pflegen Gewächshäuser oder versuchen, bei steigenden Mieten eine Wohnung zu finden.

Nach zwei Wochen stehen İzmir, Selçuk, Pamukkale, Fethiye, Kaş und Çıralı auf der Route. Einige Orte fehlen zwangsläufig. Das ist kein Planungsfehler. Die Türkei wird nicht kleiner, nur weil ein Rückflug gebucht ist.

Und spätestens nach der Landung in Deutschland kommt ohnehin die vertraute Frage aus der Familie: „Nereye gittiniz?“ Wo wart ihr? Die ehrliche Antwort dauert etwas länger. Denn zwischen İzmir und Antalya liegen nicht nur 700 Kilometer. Dort liegen Fähren und Gewächshäuser, verlassene Häuser, antike Städte, ein paar zu viele Kurven und jene Urlaubstage, an denen aus dem memleket der Familie für eine Weile ein selbst bereistes Land wird.